Tel: 07223 / 20002
Eine Pfarrgemeinde besteht nicht nur aus gesunden und nicht nur für gesunde Menschen. Die Kranken gehören zu ihr, leben in ihr. Vor diesem Hintergrund stellte sich uns die Frage, wie könnte die Sorge um die Kranken unserer Pfarrei, die im Krankenhaus liegen, aussehen.
Zwölf Frauen waren bereit, den Krankenhausbesuchsdienst zu übernehmen und besuchen nun seit fast zehn Jahren im 14 - tägigen Rhythmus die Frauen unserer Pfarrei im Bühler Krankenhaus. Die Langzeitkranken in der Hub werden alle drei Monate besucht. Ein ähnlicher Dienst besteht auch bei den Männern und wurde von der Männer - Vinzenz - konferenz übernommen.
Durch Gespräche und Kontakte soll der Aufenthalt in der Klinik erleichtert und vor allem auch der Brückenschlag zur Pfarrgemeinde hergestellt werden.
Wir möchten nicht verschweigen, daß dieser Dienst - jedes Anklopfen an ein neues Krankenzimmer - auch eigene Ängste bei uns auslöst.
Wie werde ich aufgenommen? Was erwartet mich?
Die Anspannung löst sich jedoch meist sehr schnell, wenn der Kranke einem anlächelt und einem zu verstehen gibt, daß er sich über den Besuch freut.
Als Christen tragen wir füreinander Verantwortung. Es wäre schlimm, wenn in einer Gemeinde jemand vergessen, ausgeschlossen oder im Stich gelassen wäre. Die Liebe Gottes muß sich in der Liebe zum Mitmenschen auswirken.
Für den heutigen Menschen hängt zumindest zum Teil die Glaubwürdigkeit der Kirche von der Echtheit und vom Zeugnis sozialer Dienste ab!
Seit über einem Jahr hat sich auf ökumenischer Ebene ein Besuchskreis gebildet, der die kranken Menschen in den jeweiligen Heimen und im Krankenhaus besucht.
Weitere Informationen können Sie dem Flyer entnehmen.
Kostbare Zeit
Ökumenischer Besuchsdienst für Menschen in Alter, Krankheit und Sterben
Seit knapp einem Jahr existiert der „Ökumenische Besuchsdienst“ in Bühl und Umgebung: Alte, Kranke und Sterbende werden im Krankenhaus, in Heimen oder auch zu Hause von je einer Person aufgesucht, die ihnen Zeit und Gehör schenkt. Im Einsatz sind neben knapp 40 geschulten Ehrenamtlichen auch Hauptamtliche, unter ihnen der Pfarrer der evangelischen Johannesgemeinde Bühl, Götz Häuser, sowie Pastoralreferent und Seelsorger Heribert Scherer. Gemeinsam mit Stefanie Sieg, die derzeit eine Dame ehrenamtlich begleitet, berichten Häuser und Scherer von der insgesamt positiven Entwicklung des Besuchsdienstes.
Das Team, verdeutlicht der evangelische Pfarrer gleich zu Beginn des Interviews, habe bald erkannt, dass wenig einsame Menschen das kostenlose Angebot in Anspruch nehmen - „aus einer gewissen Scheu und Unsicherheit heraus oder weil sie gar nichts davon wissen“. Auch Scham könne eine Rolle spielen, zum Beispiel, wenn Angehörige sie nicht oder nur selten besuchten. Dies gelte in erster Linie für Hochbetagte, die allein zu Hause wohnten, ergänzt Scherer. Hier sieht Stefanie Sieg das persönliche Umfeld gefordert. „Wenn jemand sich Sorgen um die Mutter, den Vater oder auch Nachbarn macht, weil diese oft allein sind und ihre Wohnung nicht mehr ohne Hilfe verlassen können, freuen wir uns, Besuchsdienste zu übernehmen. Oft sind Angehörige beruflich eingespannt oder wohnen zu weit weg, um intensiver Kontakt zu halten.“ In Heimen und Krankenhäusern sei dies einfacher, sagt Scherer: „Dort gehen wir auf die Bewohner oder Patienten zu und fragen sie direkt, ob sie Besuche wünschen.“ Die Privatsphäre daheim, so Sieg, sei Alleinstehenden natürlich wichtig. „Sie lassen mit uns ja quasi Fremde in ihr Haus. Aber wenn sie zu der jeweiligen Person kein Vertrauen schöpfen oder auf beiden Seiten das Gefühl entsteht, dass es nicht passt, kann man dies den Ansprechpartnern des Teams mitteilen und eine neue Konstellation ausprobieren.“ Das, sagt Häuser, sei indes eine Seltenheit. „Wir haben gewisse Qualitätsstandards, alle Mitwirkenden sind ausgebildet und sensibilisiert.“
Die Konfession sei völlig unerheblich, betont Scherer. „Jedem, der es braucht, schenken wir unsere Zeit, völlig zweckfrei. Niemand soll missioniert werden.“ Der Besuchsdienst koste zwar nichts, sei aber etwas sehr Kostbares. „Und ich denke, für die Ehrenamtlichen ist es gut zu wissen, dass sie die Freiheit haben, sich von der Aufgabe wieder zu trennen, etwa aus privaten Gründen oder weil sie sich doch nicht einfinden. Die Personen, die sich engagieren, sind also hochmotiviert.“ So auch Sieg, die die Treffen mit der Dame sehr zu schätzen weiß. „Ich spüre, dass ich ihr Leben ins Haus bringe, das macht mir wiederum selbst Spaß. Und ein Vorteil ist, dass wir flexibel absprechen, wann es uns passt.“ Die Frau sei früher eine rege Kirchgängerin gewesen; sie vermisse das Miteinander. „Nun schauen wir gemeinsam Online-Gottesdienste der Johannesgemeinde.“ Als bereichernd empfindet Sieg es auch, wenn ihr „Schützling“ aus jungen Jahren erzählt. „Angehörige haben das vermutlich schon hundert Mal gehört, aber für uns sind das spannende Geschichten.“ Der Geschenkcharakter, so Scherer, gelte daher für alle Beteiligten. „Wir haben Anteil an Lebenserfahrungen, die auch uns weiterbringen. Man ist oft sehr berührt, manchmal bestürzt; das bewegt etwas in uns.“ Häuser: „Es geht viel um Achtsamkeit im Umgang miteinander. Und ich finde es stark, dass sich so viele Ehrenamtliche einbringen. Nun hoffen wir, dass noch mehr Menschen den Schritt wagen, unser Angebot zu nutzen.“
Kontakt: Götz Häuser, Tel. 07223/22704,
Email
goetz.haeuser@kbz.ekiba.de , oder
Heribert Scherer, Tel. 07223/2819935,
Email:
heribert.scherer@kath-buehl.de Bericht von Katrin König-Derki