"Wäre das Vertrauen des Herzens aller Dinge Anfang ..."
1940 lässt sich ein junger Mann aus der Westschweiz im Alter von 25 Jahren in einem ausgestorbenen kleinen Dorf im Burgund nieder. Er nimmt Kriegsflüchtlinge auf und begründet eine kleine Gemeinschaft (Communauté) von Menschen, die mit ihm die Freude am Evangelium Jesu Christi unter einfachen Lebensbedingungen teilen. Am Ostersonntag 1949 legen die ersten sieben Brüder ihr Gelübde ab. In den Nachkriegsjahren kümmern sie sich um die Menschen in einem nahegelegenen Gefangenenlager. Die Gemeinschaft wächst weiter - heute gehören ihr über 100 Brüder aus den verschiedenen christlichen Konfessionen an. Etliche von ihnen teilen in den Elendsvierteln dieser Welt die Lebensbedingungen der Armen.
Seit den 60-er Jahren kommen immer mehr junge Menschen nach Taizé, um das Leben der Gemeinschaft kennenzulernen. Bis heute haben Hunderttausende von Menschen aus aller Welt diese spirituelle Oase aufgesucht; haben Inspiration gefunden für ihre persönliche Beziehung zu Christus; haben erfahren, wie Christinnen und Christen, wie wir Menschen in versöhnter Verschiedenheit miteinander leben und glauben können. Was ganz ähnlich wie damals in Betlehem an einem kleinen unscheinbaren Fleckchen dieser Erde begonnen hatte, zog und zieht weltweit Kreise; hat das Leben unzähliger Menschen bereichert und verändert - bis auf den heutigen Tag, bis hierher zu uns: Zum Jahreswechsel 2013/2014 haben 30.000 junge Menschen am Europäischen Taizé-Treffen in Straßburg und der Ortenau teilgenommen. Regelmäßige Taizé-Gebete und Taizé-Fahrten waren und sind für viele Menschen bei uns im Mittelbadischen Oasen der Besinnung und Stärkung.
Was Frère Roger Schutz (1915-2005) gemeinsam mit anderen begonnen hat, hat unzählige, ungeahnte Früchte getragen. Sein Leben und die Geschichte von Taizé zeigen, was ein tiefes, unbeirrbares Vertrauen auf Gott, in die eigene Berufung und Begabung sowie in die Fähigkeiten Anderer bewirken kann. Er schreibt dazu: "Wäre das Vertrauen des Herzens aller Dinge Anfang - wer könnte dann noch fragen: Wozu bin ich überhaupt auf der Erde. Damit sich überall auf der Erde Vertrauen erhebt, in Ost und West, in Nord und Süd, braucht es Dein Leben und das unzähliger Anderer." (Heribert Scherer, Bühl)