Open-Air-Gottesdienst am Friedenskreuz
Ein Nachmittag im Zeichen des Friedens und der Schöpfung
Zu einem ganz besonderen und inspirierenden Open-Air-Gottesdienst hatte das Gemeindeteam von St. Peter und Paul aus Bühl am vergangenen Samstag, den 26. September 2026, eingeladen. Zahlreiche Gläubige und Interessierte folgten der Einladung und versammelten sich am Friedenskreuz, das als denkwürdige Erinnerungsstätte und Mahnmal markant zwischen Bühl und Ottersweier liegt. Unter freiem Himmel bot der Ort die perfekte Kulisse, um innezuhalten und Gott für das Geschenk des Lebens und der Erde zu danken.
Zelebriert wurde der Gottesdienst von Pfarrer Martin Drathschmidt und Diakon Holger Meier, die den Gottesdienst mit starken, greifbaren Symbolen gestalteten. Bereits zur Begrüßung brachte Pfarrer Drathschmidt ein Glas voller Humus mit und verdeutlichte den Anwesenden den unschätzbaren Wert des Bodens: Ein einziger Zentimeter dieser fruchtbaren Schicht braucht ein ganzes Jahrhundert, um zu wachsen. In einer Handvoll Humus stecken Milliarden lebendiger Mikroorganismen – mehr als es Menschen auf der Erde gibt. Mit den Fragen, wann man das letzte Mal die Erde gerochen oder sie unter den nackten Füßen gespürt habe, regte er zu einem bewussteren Umgang mit unserer Umwelt an.
Diakon Holger Meier griff diesen Gedanken auf und lenkte den Blick auf die Steine, die jeder Besucher zu Beginn erhalten hatte. Ein Stein ist kalt und hart, er kann zur Last werden und symbolisiert oft das, was uns sprichwörtlich auf dem Herzen liegt: Streit, Sorgen, Verletzungen oder die Mauern, die uns von unseren Mitmenschen trennen. Ein emotionaler Höhepunkt des Gottesdienstes war die Gabenbereitung: Die Gemeinde war eingeladen, diese Steine und damit all ihre persönlichen Lasten und Sorgen nach vorne zu bringen und sie symbolisch vor Gott abzulegen, um Platz für neuen Frieden zu schaffen.
Das Thema Frieden stand auch im Zentrum der Ansprache. Während das große Friedenskreuz dazu mahnt, für den Weltfrieden und das Ende internationaler Konflikte zu beten, wurde betont, dass der eigentliche Frieden im Kleinen beginnt – mitten im Alltag. Frieden wächst dort, wo Menschen einander zuhören, Vorurteile abbauen und den Mut zur Versöhnung aufbringen. Jesus zeigt uns einen Weg, der nicht auf Macht, sondern auf Liebe und Barmherzigkeit setzt. Gleichzeitig wurde deutlich, dass Frieden untrennbar mit der Bewahrung der Schöpfung und sozialer Gerechtigkeit verbunden ist. Nur wenn die Ressourcen der Erde gerecht geteilt und geschont werden, kann dauerhafter Frieden entstehen.
Musikalisch getragen wurde der Gottesdienst von Moni Schmidt an der Gitarre und ihrem Mann Christoph Schmidt an der Querflöte. Mit passenden Liedern wie „Eine Hand voll Erde“, „Wo Menschen sich vergessen“ und dem kraftvollen Abschlusslied „Laudato si“ luden sie die Gemeinde zum Mitsingen ein und verliehen der Feier eine wunderbare, lebendige Atmosphäre.
Nach dem feierlichen Schlussgebet spendete Pfarrer Drathschmidt einen besonderen Segen, der ein starkes Signal gegen die Klimakrise und für einen entschlossenen ökosozialen Wandel setzte.
Nach dem Gottesdienst war die Feier noch nicht zu Ende. Bei einem gemeinsamen Mitbring-Picknick blieben die Besucherinnen und Besucher zusammen, tauschten sich aus und kamen miteinander ins Gespräch. Gerade dieses ungezwungene Zusammensein machte deutlich, dass Gemeinschaft und Frieden im Kleinen beginnen können.
So wurde der Gottesdienst am Friedenskreuz zu einer Feier, die Gebet, Musik, Natur und Gemeinschaft miteinander verband – und zu einer Einladung, den Gedanken des Friedens mit in den Alltag zu nehmen: im Umgang miteinander ebenso wie im Umgang mit der Schöpfung.


